August 27th, 2014

DVR : wir akzeptieren weder Föderalisierung noch Autonomie

Im Vorfeld des möglichen Treffens von Vladimir Putin und Peter Poroschenko hielten es die Leader von Novorossia für nötig einige klärende Statements abzugeben.

Der Premierinister Donezker Volksrepublik Aleksander Zakharchenko äußerte sich zu den möglichen Verhandlungen mit Junta bezüglich des Status der Republik:

"Föderalisierung akzeptieren wir nicht. Für DVR kommt nur eine vollständige Unabhängigkeit von der Ukraine in Frage."

Nach seinen Worten wird es, sogar wenn Kiew, in Anbetracht der Niederlage an der Südfront, in Minsk den Verhandlungen über den Status der Republik zustimmt, keine grundsätzlichen Änderungen zur Folge haben.

"Nein, die Verhandlungen werden beginnen, und man kommt vielleicht sogar zu einer Art Waffenstillstand - doch wird dieser brüchig und nicht echt sein. Novorossia ist nicht nur mehr nicht mit einer Föderalisierung einverstanden, sondern nicht einmal mehr mit dem Fortbestehen der Ukraine in heutiger Form als solcher"

Dass die Befürwörter der Novorossia mittlerweile weder mit Föderalisierung, noch mit Autonomie einverstanden sind, sagte auch einer der Rebellenanführer Aleksej Mozgowoj: "In meinen Augen, wird die Autonomie nichts bringen. Unter welchen Bedingungen würde sie statt finden? Die ganze Regierung, Oberste Rada, Präsident bleiben die selben. Was hätte diese Autonomie für einen Sinn, wenn die uns sowieso keine Luft zum Atmen lassen? Das wäre eine leere Formalität. Autonomie gibt kein Recht auf eigene Armee, das heißt wir werden weder eigene polizeilichen noch justiziellen Strukturen haben. Solche Autonomie brauchen nur die, die heutige Kiewer Regierung an der Macht lassen wollen. Wir sind für eine vollständige Unabhängigkeit. Man sagt uns, der Rechtsrahmen erlaube es uns nicht. Nach welchem Recht denn? Der Ukraine, von der wir uns trennen wollen? Europa? Was glauben die wer die sind? USA? Wieso sollen wir, ein freies Volk auf die hören? Nur wir haben das Recht zu entscheiden wie wir leben wollen. Weder Gaag, noch OSZE oder Pace dürfen sich da einmischen." - So Mozgowoj in einem Interview der Zeitung "Izwestija"

antifashist.com/item/dnr-federalizaciya-i-avtonomiya-nas-ne-ustraivaet-tolko-nezavisimost.html

Beweis oder nicht?

Ich wurde neulich gefragt, was ich von der Verhaftung russsicher Soldaten an der Russisch/Ukrainischer Grenze halte, was angelich ein Beweis dafür sein soll, dass russsiche Soldaten auf der Seite der Volkswehr kämpfen. Ist es denn nun, wie Kiew behauptet ein Beweis, oder nicht? Gibt es russische Soldaten auf Seiten der Separatisten? Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach und würde mit einem Wort ausgedrückt lauten : Jein.
Ja - es sind wohl russiscche Soldaten in den Konflikt involviert.
Nein - die gefangen genommenen Soldaten sind kein Beweis dafür.

Zu diesem Thema wird es demnächst zwei Artikel geben.

PS: hier nun die versprochenen Artikel:

Von den "Mitarbeitern des Woentorg"
Die verhafteten Grenzsoldaten

DIe "Mitarbeiter des Woentorg"

Im ersten Artikel zum Thema russische Soldaten im Donbass möchte ich die Aussagen eines Insiders widergeben. Zum Verständnis des Artikels muss ich, etwas vorgreifend, einige Begrifflichkeiten erklären. In den Kriegsberichten taucht immer wieder der Begriff "Woentorg" auf. Wörtlich übersetzt bedeutet er so viel wie - Militärhandel oder Waffenhandel. Es gibt aber auch eine russische Firma mit diesem Namen, die sich auf den Verkauf von Kampfausrüstung (nicht nur russischer Bauart) spezialisiert hat. Dabei handelt es sich um solche Sachen wir Feldanzüge, Helme, kugelsicher Westen, leichte Waffen und so weiter. Lauter Zeug was man auch in Deutschland in spezialisierten Geschäften kaufen kann (bis auf die Waffen natürlich). Wenn ich richtig informiert bin, gibt es auch in der Ukraine Filialen dieser Kette, zumindest in Donbass. Schwere Kampfmittel wie Panzer und ähnliches sind dort nicht zu haben. Zumindest nicht offiziell und nicht für Privatpersonen. Wenn man nun vom "Woentorg" spricht, ist es doppeldeutig gemeint : offiziel handelt es sich um leichte Ausrüstung, nicht offiziell aber um Handel mit schweren Sachen, in den meistens der Staat involviert ist. Mit diesem Wissen sollten die Aussagen des Insiders leichter zu verstehen sein.

Von den "Mitarbeitern des Woentorg".

Im Laufe der letzten Woche, vor dem Hintergrund der hysterischen Schreie der Kiewer Junta - man würde gegen die russsiche Armee kämpfen - fragen viele Menschen solche Fragen wie: "Sagt die Junta denn die Wahrheit?", "Woher T-90?", "Woher BTR 82-A?", "Woher neue Granatwerfer?", "Wer ist auf den Aufnahmen der Faschisten zu sehen?".

Man hätte gedacht, die Geschehnisse auf der Krim, als die Teilnahme russicher Armee ab dem 26. Februar offensichtlich aber bis mitte März offiziell bestritten wurde, sollten die russische Linie in dieser Frage verständlich gemacht haben. Damals ging es genau so zu: die Faschisten drehten Filmchen, im Bestreben zu beweisen, dass da "jemand" verhaftet worden wäre (mit Pässen und Truppenausweisen herumwinkend), behaupteten hartnäckig, dass es solche Ausürstung beim Woentorg nicht gäbe, dass es auf der Krim so viele Separatisten gar nicht gäbe und diese schon gar keine "Tiger" (russischer Mehrzweck-Panzerwagen) und neuste Waffen haben könnten. Davon schrie die Junta den ganzen Frühling lang. Als Antwort hieß es nur lakonisch: "Es gibt dort keine russischen Truppen und eure "Beweise" könnt ihr euch sonstwo hinstecken". Als die Situation vorüber war, stellte sich Putin hin und sagte: "Ja, die gab es". Gesagt wurde das just zu dem Zeitpunkt, wo es kaum noch eine Rolle hätte spielen können.

Ich hätte bereits an dem ersten Tag schreiben können, dass dort russische Spezialkräfte aus der 91. Brigade der Militäraufklärung des Generalstabes Russischer Föderation als Volkswehr operieren, doch solange es nicht offiziell bestätigt ist, gibt es dort keine Truppen. So läuft das Spiel. Unabhängig davon was in Blogs geschrieben oder sonst behauptet wird. Das ist eine spezifische Form der postindustriellen Kriegsführung, die man als "hybride" Kriegsführung bezeichnet. Aktive Teilnahme bei offiziellen Aussagen wie "Uns gibt es dort nicht" oder "Sie träumen bloß".

Komisch, dass es in den vergangenen Monaten des Kriegs noch nicht alle verstanden haben, obwohl es ziemlich offensichtlich ist. Der berühmt berüchtigte "Woentorg" ist durchaus keine bloße Redewendung. Er kann aktiv "handeln", oder auch nicht. Je nach der innerpolitischen Situation um z.B. Strelkov oder Achmetov. Aber seine Anweisenheit ist für alle offensichtlich, die den Krieg im Donbass nicht nur aus dem Fernsehen kennen. Selbstverständlich werden auch von denen viele schreiben, dass es keinen "Woentorg" gibt. Das ist ein Standpunkt der die offizielle Linie unterstützt. Was nicht offiziell ist, gibt es auch nicht. Tatsächlich ist das was in der Presse auftaucht nur ein kleines Puzzel des Gesamtbildes, welches groß und interessant ist, welches aber noch nicht ganz enthüllt werden darf, um der gemeinsamen Sache nicht zu schaden. Offiziell ist nichts da, doch nach dem Krieg kommt raus, dass es da was gab und immer noch gibt. Nachdem alles gut für uns ausgegangen ist und es keine Rolle mehr spielt, werde ich eine Reihe Artikel darüber schreiben.

Ich z.B. habe nie daraus ein Geheimnis gemacht, dass es den "Woentrog" gibt (was auch der Grund dafür ist, dass ich nie geschrieben habe, dass Russland Donbass nicht unterstützen würde) und er den kämpfenden Einheiten hilft, je nach dem Willen der Empfänger und der Verantwortlichen für die Verteilung der Ströme. Seit kurzem hat im Woentorg der Saisonbedingte Ausverkauf und die Bonusverteilung begonnen, die jedoch keinen Abbruch der offiziellen Linie - "Es gab und gibt nichts" - tut. Im Internet kann man "beweisen" bis man blau wird. Die Diplomaten werden auch weiterhin Wochen und Monate lang Ping-Pong spielen. Es gibt eine bestimmte Arbeit zu tun, und diese erhält Informative und Diplomatsiche Deckung. Genau so wie auf der Krim. Dieses Speil wird von allen Teilnehmern gespielt und angenommen ( man sollte meinen die Befehlsgeber der Junta hätten bereits einen haufen "Beweise" für die Arbeit des "Woentorgs", und doch treten sie mit beneidenswerter Beständigkeit auf der Stelle im Stile: "Na, das hätte die Volkswehr aber sicher nicht haben dürfen" und kriegen immer die selben Standardantworten a-la "Es wird ja viel gefilmt, wenn der Tag lang ist, wer weiß schon was die Volkswehr da alles hat, wo sind die Beweise?" ).

Dieses zyklische Schema kann unendlich lange ausgespielt werden. Sogar vor der Einnahme von Kiew oder sogar Lwow stellt sich Lawrow vor die Micros und sagt, dass Russland daran nicht beteiligt ist. Und offiziell wird es genau so sein. Das was ein Blogger oder Kommentator da in seinem Blog geschrieben hat ist bloß seine private Meinung. Und versucht mal zu beweisen, dass dieses Schema nicht funktioniert.

Der Sinn aller dieser gegenseitigen Beschuldigungen besteht nämlich darin, dass die gegnerischen Seiten neben dem realen Krieg auch noch einen Informationskrieg darum führen ein dominierendes Stimmungsbild zu erzeugen, welches in diesem Fall Russland dazu zwingen würde, wenigesten einige Fakten seiner Teilnahme am Donbasskrieg offiziel anzuerkennen, und zwar jetzt und nicht irgendwann, wenn es keine Rolle mehr spielt.
Deswegen ist es absolut unwichtig, welche realen oder herbeiphanstasierten Beweise die Junta präsentiert. Diese werden in jedem Fall bestritten werden, weil das Spiel es so vorschreibt. Wenn euch diese einfache Sache klar wird, werden euch die aktuellen "Enthüllungen" der Junta gar nicht mehr interessieren, da diese von dem Feind präsentiert werden, gegen den ein Vernichtungskrieg geführt wird. In Bezug auf die sich entwickelnde Offensive südlich von Donezk ist es überhaupt nicht relevant, da die Katastrophe für die südlichen Verbände der Junta viel eher eintreffen wird, als jeder Beweis der "russichen Invasion" eine Auswirkung haben könnte.

Und bezüglich der "Mitarbeier des Woentorg", deren Anwesenheit die Junta zu beweisen versucht, so gibt es diese dort offiziell natürlich nicht und wird es auch nicht geben. Den Rest könnt ihr euch ja jetzt selbst denken, und keine "dummen" Fragen mehr stellen.

PS. Und übrigens, USA nehmen am Konflikt natürlich nach dem selben Schema teil.

colonelcassad.livejournal.com/1751820.html