August 12th, 2014

Sturmvorbereitung



Nach den Berichten von der Front wird mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit in den nächsten drei Tagen, womöglich sogar schon morgen, der Generalangriff auf Donezk gestartet. Die Truppenkonzentration ist fast abgeschlossen. Alle mehr oder weniger einsatzbereiten Truppeneinheiten wurden zusammen gezogen. Munition für Artillerie und Raketenwerfsysteme wird gerade herangekarrt. Beim Sturm werden alle verfügbaren Artillerie und Raketenwerfsysteme zum Einsatz kommen, sowie Luftwaffe. Geplant ist nicht nur die Volkswehr aus den südlichen Vorstädten zu vertreiben, sondern auch die Stadt selbst vom Westen und Nordwesten zu stürmen. Die Aufgabe der Truppen bei Schachtersk und Krasnij Lutch ist es die Reservekräfte der Volkswehr zu binden und die verbliebenen Versorgungswege nach Donezk abzuschneiden.

Mit diesem Angriff spielt die Junta vabanque. Sollte dieser Angriff fehl schlagen, würde eine Pause notwendig werden um die Kampfeinheiten aufzustocken und Munition sowie Treibstoff
nach zu liefern. Horrende Verluste, die die Junta seit bereits drei Tagen bei Ilowaijsk erleidete sprechen davon, dass es beim Angriff nicht auf Verluste ankommen wird. Es wird um jeden Preis versucht, Donezk bis zum 24. August einzunehmen.

Große Verluste bei der Zivilbevölkerung sowie Zerstörungen sind vorprogrammiert. Junta hat heute bereits gewarnt, dass die Zivilbevölkerung Donezk lieber verlassen sollte, da ein massiver Artilleriebeschuss und die Erstürmun bevorstünden. Selbstverständlich werden nicht alle gehen, was sicherlich zu vielen Opfern führen wird. In den nächsten Tagen muss die Volkswehr von Donezk und Gorlovka alle verbliebenen Kräfte mobilisieren. Die einzige Aufgabe der Milizen ist durch zu halten und die Armee in zermürbende Stadtkämpfe hinein zu ziehen.

Dabei sagte Zacharenko heute, dass die Volkswehr bei Donezk etwa 200 Einheiten gepanzerter Fahrzeuge zur Verfügung habe, unter Berücksichtigung der Einheiten die im Südkessel erbeutet wurden. Das ist der Trump, den die Volkswehr bei der Verteidigung der Stadt versuchen wird auszuspielen. Beide Seiten verstehen sehr gut, dass diese Schlacht für den ganzen Krieg vorentscheidend ist. Derjenige der hier gewinnt, wird die besten Chancen haben, den Krieg um DVR für sich zu entscheiden.

Es ist zu erwarten, dass die Volkswehr nicht in Angriff übergehen wird, bevor der Hauptangriff der Junta statt gefunden hat. Höchstwahrscheinlich wird man sich auf Zermürbung des Feindes in der Verteidigung sowie Gegenschläge mobiler Kampfeinheiten konzentrieren. Diese Woche wird viel entscheiden.

Fotos von der Front im Originalpost
http://colonelcassad.livejournal.com/1725617.html

Interview mit deutscher Journalistin Margarita Seidler.

Einmal in Slavjansk angekommen, hat deutsche Staatsbürgerin Margarita Seidler die Frontlinien nicht mehr verlassen. Sie berichtete über die belagerte Stadt. Und betonte stets - dieser Krieg sei ihr nicht fremd. Warum?
Darum geht es in diesem Interview.



(Photo: Komsomolskaja Prawda)

- Margarita, wie sind sie nach Slavjansk und Donzenk gekommen?

- Das war ein langer Weg. Ich habe ziemlich lange in der Ukraine gelebt. 2002 habe ich endgültig entschieden dem glücklichen, wie viele denken, Europa den Rücken zu kehren...

- Was hat sie gestört?

- schlechter Kinder- und Jugendschutz, Euthanasie, gleichgeschlechtliche Ehen, Schwulenparaden, und überhaupt die ganze gesellschaftliche Ordnung. Ich, als gläubiger Mensch ( ich bin noch in Deutschland zur orthodoxen Kirche
übergetreten), habe für mich verstanden, dass das alles dem Seelenheil nicht dienlich ist. Viele aus Russland und der Ukraine fahren nach Europa, weil sie dort den materiellen Wohlstand suchen. Aber im geistigen Sinne ist dort nichts zu holen.

- Wieso Ukraine?

- Eigentlich wollte ich nach Russland. Eine Bekannte hat mich nach Kiew eingeladen. Hat mir die heiligen Orte gezeigt. Hat mich mit einem Patriarchen bekannt gemacht, der mir seinen Segen zum Niederlassen gegeben hat. Ich habe nicht zwischen Ukraine, großes oder weisses Russland unterschieden. Für mich ist das alles - heiliges Russland.

- Die Ereignisse des Maidan haben Sie in Kiew erlebt?

- Ja. Die letzten zwei Jahre habe ich dort in der Wohltätigkeitsorganisation "Volksdom der Ukraine" (Narodnij Sobor Ukraini) gearbeitet. Das ganze Geschehen habe ich live erlebt: Auswüchse, moraler Verfall, Wände beschmiert mit Hackenkreuzen und faschistischen Sprüchen. Ein normaler Mensch kann das nicht unterstützen, nur einer der von allen guten Geistern verlassen ist. Als es gewalttätig wurde, hat unsere Organisation die Berkut-Leute unterstützt. Wir haben Humanitärhilfe gesammelt, warme Sachen, Feuerlöscher. Nachdem die Bandera-Anhänger die Stadt übernommen haben mussten wir fliehen.

- Und dann sind Sie nach Donbass gegangen?

- Nicht sofort. Zuerst nach Sevastopol. Da habe ich Freunde. Bin den städtischen Selbstverteidigungseinheiten beigetreten. Als Krim nach dem Referendum der Russichen Föderation beigetreten ist, konnte ich das was im Südosten der Ukraine vor sich ging nicht ruhig mit anschauen. Anfang Mai ist ein guter Freund dort gestorben. Er wurde erschossen. Wir kannten uns noch aus Kiew. Noch ein guter Freund (er hat dort eine Kompanie unter Befehl) war von Anfang an in Slavjansk. Ich habe dann entschieden hin zu gehen und gegen den Faschismus zu kämpfen.

- Wie wurden Sie angenommen?

- Sehr höflich. Jeder half wie er konnte. Ich wonnte neben dem Kommandostab, doch schlafen musste man im Schutzbunker. Die ukrainische Armee bombardierte ständig die Wohnviertel. Es gab viele Verletzte und Tote. Besonders vor unserem Rückzug aus Slavjansk.

- Worin bestand Ihre Hilfe?

- Ich bin eine ausgebildete Krankenschweseter, habe lange Jahre in Deutschland in der Traumatologie in der Notfallaufnahme gearbeitet. Habe auch als Rettungskraft und als Rettungswagen-Fahrerin gearbeitet. Dachte, dass ich den Verletzten helfen könnte. Doch zu der Zeit habe ich mich bereits seit zwei Jahren mit der Journalistik beschäftigt und
es wurde entschieden, dass die Informationsarbeit meine Hauptaufgabe sein soll.

- Auf dem Foto sind Sie mit einem Gewehr abgebildet.

- Ich hatte immer ein Gewehr dabei. Für den Fall, dass die ukrainischen Truppen auftauchen und man den Kommandostab verteidigen muss.

- Die Regierung in Kiew behauptet, man würde gegen die Russischen Spezialeinheiten kämpfen...

- Das stimmt nicht. 90 Prozent sind Einheimische. Nicht nur vom Donbass, sondern aus allen Regionen der Ukraine. Der Rest sind die Freiwilligen aus Russland. Das sind keine Soldaten. Die konnten am Anfang nicht einmal kämpfen.

- Und die Tschetschenen?

- Habe keinen einzigen gesehen.

- Die Junta behauptet auch, die Volkswehr hätte die neusten russischen Waffen...

- Wir kämpfen mit uralten "Kalaschnikows". Gott sei Dank sind die sehr robust und zuverlässig. In Kramatorsk haben wir einen T-34 vom Podest runter geholt und in Stand gesetzt. Zwei Schützenpanzer hatten wir und ein Selbstfahrgeschütz "NONA". Ein Paar alte Mörser, von der Ukrainischer Armee erbeutet.

- Wie konnten Sie denn dann den stärkeren Feind zurückhalten?

- Das ist alles dem Mut und Willen der Kämpfer zu verdanken. Die Milizen haben etwas zu verlieren. Die kämpfen für ihre Heimat, ihre Familien. Geld zahlt hier niemand. Die Leute trugen was sie hatten, kauften sich selbst Tarnanzüge. Manche trugen in Schützengräben normale Schuhe. Das wichtigste ist aber - die hohe Kampfmoral.

- Und beim Feind?

- Da ist die Moral umgekehrt sehr niedrig. Bezeichnend ist der Umgang mit Toten und Verletzten. Die Volkswehr versucht immer ihre Leute zu holen. Menschen, zu denen ich absolutes Vertrauen habe, erzählten: die hätten selbst gesehen wie die Ukrainer ihre Toten, eine riesige Anzahl, einfach in den See geschmissen hätten. Neulich wurden uns 13 unserer Toten zurückgegeben. Man konnte sehen, dass die bestialisch gefoltert wurden, als sie noch lebten. Überal Stichverletzungen, gebrochene Beine und Arme. Es gab auch einen Fall wo einem ein Ohr abgeschnitten wurde...

- Was passiert jetzt in Donezk?

- Dort wird es mit jedem Tag immer schwerer. Die Volkswehr kämpft heldenhaft. Ich will glauben, dass sie siegt. Verstehen Sie, Westen, der diesen Krieg vom Zaun gebrochen hat, wird nicht halt machen. Sollte Donbass fallen, gehen die Faschisten weiter. Das letzendliche Ziel ist Russland. Die Milizen sterben derzeit eigentlich für Moskau.

Originalartikel
http://voicesevas.ru/news/yugo-vostok/3627-intervyu-s-nemeckoy-zhurnalistkoy-margaritoy-zaydler.html