August 11th, 2014

Donbassfront. Eine Analyse.

Alles hier Geschriebene ist reines Phantasieprodukt. Alle Übereinstimmungen in Namen und Handlungsorten sind rein zufällig und nur durch die Logik des Authors mit einander Verbunden.



Die zur Zeit ablaufenden inneren Prozesse in DVR und LVR folgen einer bestimmten Logik. Um diese Prozesse zu verstehen muss man in Gründungszeit der Republiken zurück gehen.

Am 11. Mai gab es das Referendum. Dieses Referendum wurde von den Kräften vorbereitet die unter Kontrolle von Renat Achmetov (Ostukrainischer Oligarch) standen. Doch nicht viele wissen, dass das Projekt DVR bereits 2004 geboren wurde. Einer der Gründer dieses Projektes plauderte mal aus, dass DVR als Refugium für Yanukowitsch nach der orangenen Revolution dienen sollte. Doch damals konnte man sich einigen, und das Projekt wurde verschoben.

Wieder aufgetaucht ist es dann Anfang 2014. Der Kern des Projektes besteht darin, dass die Donezker Oligarchie die Macht in der Region an sich reisst und damit die Regierung in Kiew erpresst und nach Zugeständnissen verlangt. Genau so hat es im März 2014 zuerst angefangen. Der „russische Frühling“ in Donezk wurde von den Achmetov unterstehenden Kräften (mit Gubarev als Frontmann) und in Lugansk von den Efremov (ein weiterer ostukrainischer Oligarch) unterstehenden Kräften (mit Bolotov an der Spitze) finanziert. Wissend wie der Hase läuft, hat man in Kiew diesen „Separatismusbewegungen“ entspannt zugeschaut und sogar das Referendum durchführen lassen. Die Kiewer Regierung wusste genau, dass die dahinter stehenden Kräfte den ganzen Protest nur zu gerne für wirtschaftliche Zugeständnisse runter spühlen würden. Doch dann kam der „Zufall“ in Person von Strelkov (bürgerlicher Name - Girkin) und seiner Gruppe, die am Anfang weniger als hundert Mann zählte. Am 12 April wurde von ihnen das Polizeipräsidium in Slawjansk besetzt. Wenn man ehrlich ist, sollte man genau dieses Ereigniss als den Anfang des „russischen Frühlngs“ betrachten. Die Gruppe um Strelkov stieß von Anfang an auf einen erbitterten Widerstand des neuen Regime in Kiew.

Also, am 11. Mai gab es das Referendum, am 12. Mai den Umsturz durch Stelkov, welcher zur Folge hatte, dass die Kräfte von Achmetov (teilweise) von der Macht in der Region entfernt wurden. Hier kommt ein weiterer „Zufall“ ins Spiel: der bereits am Anfang der Proteste von der SBU (Ukrainischer Staatssicherheitsdienst) fest genommene Gubarev (Achmetovs Mann), wurde kurz vor dem Referendum von Strelkov für einige von seiner Gruppe gefangen genommene SBU Offiziere eingetauscht. Die Rolle von Gubarev, der damals eine große Autorität in Donezk genoss, war entscheidend. Ihm ist zu verdanken, dass die zwei alten Freunde Strelkov und Borodaj die zwei höchsten Posten in der neuen Donezker Republik bekamen. Warum sie? Weil es damals logisch und offensichtlich schien. Den angekündigten Kurs auf Angliederung an die Russische Föderation, nach dem Beispiel der Krim, konnten am besten russische Staatsbürger umsetzen.

Aber ... in Russland ist das alles gleich von Anfang an auf „Unverstädnis“ gestossen. Das war eine dermassen offensichtliche Falle, dass die russische Regierung sie leicht vermeiden konnte. In diesem Zeitraum (bis Ende Mai) agierte Strelkov auf eigene Faust und sammelte seine alten Kameraden um sich. Der „Durchbruch zur Grenze“ ist der Punkt an dem er volle (politische) Unterstützung vom Kreml bekommen hat und nun auch dessen Anweisungen befolgen musste. Ab diesem Moment begann die Volkswehr sich als der Kern einer zukünftigen Amee zu sehen, die bis nach Kiew oder sogar Lwow gehen würde, falls der Befehl dazu käme. Genau dann wandte sich Strelkov an die Menschen von  Donbass mit der Aufforderung sich der Volkswehr anzuschliessen. Es gab die Entscheidung eine Armee aufzubauen. Eine Befreiungsarmee. Diesem Prozess hat sich gleich von Anfang an auch Mozgowoj in LVR angeschlossen.

Bezeichnend ist, dass sowohl Bolotov in Lugansk als auch Achmetovs Leute in Donezk das Ganze nicht nur nicht unterstützten sondern auch noch aktiv behinderten. Die Pläne von Achmetov-Efremov liefen denen von Stelkov-Mozgowoj diametral entgegen. Die ersten sind ein fester Teil des Oligarchenregimes, die zweiten seine Hauptgegner. Der Taktik der Oligarchen war einfach: die Einheiten von Strelkov und Mozgowoj werden von der Versorgung und Nachschub abgeschnitten (was zu 90% gelang) und die ganze Idee der Republiken wird diskreditiert (Donezk wurde zu einem Bandenparadies). Nach dem Plan sollte Stelkov von der ukrainischen Armee und der Nationalgarde in Slavjansk vernichtet werden. Danach wäre Mozgowoj dran. Währenddessen erobert die Armee die Kontrolle über die Grenze zurück. Danach ergeben sich die „Revolutionäre“ (Achmetov und Efremov) mit gutem Gewissen der Kiewer Regierung und kriegen ihre „Zugeständnisse“.

Der Rückzug von Strelkov aus Slavjansk Anfang Juli macht alle Pläne sowohl in Kiew als auch der östlichen Oligarchen zunichte. Es ist nicht einmal das Wichtigste, dass Strelkov, übrigens mit einer beirets 4000 Mann starken Brigade und mehreren Dutzend Panzerfahrzeuge, lebend aus Slavjansk entkam. Das Hauptproblem war nun, dass alle Vorteile des Oligarchenplanes sofort zu Nachteilen wurden. Die bei Slavjanks stationierten ukrainischen Truppen waren aufgrund ihrer Strukturen erst in 1,5/2 Wochen an der neuen Stelle einsatzbereit. Gleichzeitig boten nun Truppen an der südlichen Grenze plötzlich eine offene Flanke zum Angriff dar (was kein Problem war, solange Strelkov in Slavjansk gebunden war). Der Angriff begann auch am 12 Juli. Alles was danach von der Junta kam, war der Versuch ihre Brigaden von der Vernichtung im südlichen Kessel zu retten. Es zeichnete sich ein Wendepunkt im Krieg ab: zuvor scheuten sich die Volksmilizen davor, kiewer Armee im „offenen Feld“ anzugreifen. Der südliche Kessel ist der erste, erfolgreiche Versuch.

Während dieser Zeit durchlebten die Volksmilizen einen Wandel, der die späteren politischen Metamorphosen am politischen Olymp von DVR (und bald wohl auch von LVR) nötig machten. Nach dem Rückzug aus Slavjansk hat Strelkov für Ordnung in Donezk und Umgebung gesorgt. Alle bewaffneten Gruppierungen wurden entweder entwaffnet oder haben sich unter sein Kommando gestellt. Das brachte eine Menge frische Leute, bewaffnet doch absolut Kampf-unerfahren. Strelkov macht einen riskanten Schritt und verteilt einen großen Teil seiner Leute zwischen den Donezker Einheiten. Das erleichtert den Erfahrungstransfer und stärkt den Zusammenhalt. Die praktisch ununterbrochenen Kämpfe härteten die nun Strelkov unterstehenden Einheiten zusätzlich ab. Das Batailon von Mozgowoj wuchs in der Zeit bereits zu einer Brigade. Währenddessen spielte die passive Haltung Bolotov’s (Efremov’s Mann in Lugansk) gegen ihn selbst : praktisch alle Freiwilligen gingen nun zu Stelkov oder Mozgowoj und nicht zu ihm.

Und so kam es Anfang August zu der Situation dass die Armee von Strelkov bereits 10000 Mann zählt (nach eigenen Angaben). Diese Leute sind Kampf erprobt und kennen sich nicht nur im Verteidigen sondern auch im Angreifen aus. Doch wenn die Dezentralisierung im Verteidigungsfall noch auszuhalten war, ist sie im Angriffsfall absolut tödlich (dass man ohne einen einheitlichen Kommandostab nicht angreifen darf, beweisen übrigens horrende Verluste der ukrainischen Armee). Der nächste Schritt musste eine Vereinheitlichung der militärischen und politischen Strukturen sein. Regionaler Egoismus von Bolotov, der nicht weiter reicht als die Grenzen von Lugansk, muss gebrochen werden. Die neuliche Reise von Mozgowoj nach Moskau macht alle Spekulationen über den Nachfolger obsolet. Wahrscheinlich wird Bolotov eine gesichtswahrende Rückzugsvariante angeboten (oder ist bereits angeboten worden). Wer den politischen Arm der Administration anführen wird ist noch unsicher, beim militärischen ist alles klar. Ähnliches ist in DVR bereits passiert – Borodaj ist weg, Zacharenko hat die Zügel übernommen.

Was war der Grund für diesen Wechsel? Die Strategie hat sich geändert. Der ursprüngliche Plan sich der Russischen Föderation anzuschliessen wurde mit Weggang Borodajs entgültig beendet. Nun tritt der neue Plan in Kraft, einen unabhängigen Staat auf dem Territorium der ehemaligen Ukraine aufzubauen. Dieser Staat soll all die Splitter der ehemaligen Ukraine aufnehmen, von denen es Bald sehr viele geben wird. Für den Aufbau dieses Staates eignen sich weder Leute mit russischen Pässen, noch solche die ihre Lojalität bereits selbst in Frage gestellt haben (mit Blick auf Lugansk). Somit sollten die Personenwechsel niemanden überraschen oder verwundern. Neue Aufgaben erfordern neue Menschen. Aus den ehemaligen Staatsbürgern der Ukraine wird eine neue politische Führung zusammengestellt, die das Projekt anführen wird, das schon bald über die Grenzen von DVR und LVR hinaus gehen könnte.

Original
http://yurasumy.livejournal.com/#post-yurasumy-139642