July 29th, 2014

Donbassfront. Ein Interview.

Ein Interview mit „Batja“, einem der Kommandeure der Gruppe von Mozgowoj. Er führte die Gruppe „Prisrak“ (Geist) an, die Lisitschanks und Severodonezkt verteidigt hat. Seine Einheit zog sich zurück nach Altschevsk, formierte sich neu, und konnte gestern Popasnoje und Perwomaijsk von den Faschisten befreien.


Das Interview mit Aleksander Kostin (Batja, wie ihn seine Leute nennen) stammt aus einer St. Petersburger Klinik, wo er operiert wurde. Der Kommandeur selbst machte auf den ersten Blick nicht den Eindruck eines Anführers einer Eliteeinheit – gewöhnlicher Mann, etwa 50 Jahre alt, nicht groß. Doch hat sein Blick irgend etwas in sich, das einen sofort glauben lässt, dass hunderte von Menschen in der Verantwortung dieses Mannes standen.


  • Wer waren sie im zivilen Leben und warum gingen sie zu der Volkswehr?

  • Können sie sich an Jugoslawien erinnern? Ich habe meinen Jungs damals gesagt, noch bevor der Krieg angefangen hat: „Seht ihr was dort passiert? Das kriegen wir auch“. So ist es auch gekommen. Ich komme aus Kemerowsker Bezirk (Sibirien). Wehrdienst in der Ukraine. Bin hier geblieben, habe eine Einheimische geheiratet. Ich hatte alles: gute Firma, Autos, Wohnungen. Ich war ein selbständiger Geschäftsmann, wohlhabend, exzellente gesellschaftliche Stellung … Alles vorbei. Nun bin ich obdachlos. Haus weg, alles zerbombt. Das einzige was ich retten konnte war die Familie. Nun, vielen Dank an die Freunde, jeder hilft wie er kann. Elementare Dinge wie z.B. Windeln für Kinder …


  • Manche denken die Männer von Donbass säßen zu Hause und im Wesentlichen nur Freiwillige aus Russland an der Front kämpften. Erzählen Sie, wie sieht es wirklich aus, gibt es viele die den Krieg aussitzen wollen?

  • Ja. Die werden das schon bald bitter bereuen. Dieser Krieg wird niemanden der in Donbass lebt, verschonen. Die Nationalgarde hat das Einberufungsalter auf 60 Jahre erhöht. Ob einer will, oder nicht – egal, wenn einem mit einem Maschinengewehr gedroht wird, geht man einfach. Als Geiseln bleiben deren Familien. Und geschickt werden sie an die vorderste Front. So wie es 1941-42 die so genannten Strafbatallions gab, werden sie heute von Kolomojski (ukrainischer Oligarch) wiederbelebt. Diese „Sofakämpfer“ aus den westlichen Regionen, die darauf hoffen, den Krieg auszusitzen, werden vorgeschickt. Und hinten folgt dann eine Einheit des „Rechten Sektors“ und erschießt jeden der fliehen will.


  • Wer kämpft denn zur Zeit in der Volkswehr? Wer sind diese Leute – Beruf, Bildung, soziale Stellung?

  • Unterschiedliche Leute: mit Hochschulbildung, Bauer, Traktorfahrer, Schreiner. Im Wesentlichen die hart arbeitenden. Hängt alles von der Region ab. Bei uns sind es z.B. im Wesentlichen die Kumpels. Sehr mutige Leute. Leute vom Militär haben wir kaum hier, so gut wie keine. Die meisten haben mal gedient, man erinnert sich an manches.


  • Gibt es viele Freiwillige aus Russland?

  • Viele. Aus Moskau, St.Petersburg, Novgorod, Novosibirsk. Aus Sibirien, und sogar vom Altaj. Die sind zwar keine Scharfschützen, aber klasse Jäger.


  • Im Zusammenhang mit den schweren Kämpfen in der letzten Zeit – kommen mehr Freiwillige oder weniger?

  • Mehr. Ich denke das wird sich in der nächsten Zeit noch deutlich steigern.


  • Wie viele Männer standen unter Ihrem Kommando, und wieso nennt ihr euch „Geister“?

  • Als alles erst angefangen hat, waren wir etwa 100 Leute, danach 800, nun sind wir 600 Mann. Wieso Geister? … Das ist etwa zwei Monate her. Wir standen damals bei Novoschachtinsker Zollübergang und kriegten Besuch von der OSZE: zum Schauen, oder der Welt zeigen was passiert, weiß ich nicht mehr. Direkt danach kamen fürchterliche Bombardements. So starke, dass die ganze Gegend wo sich unsere Basis befand in Schutt und Asche gelegt wurde. Danach kam in den Ukrainischen Medien die Meldung, dass eine große „russische“  (?) Terroristeneinheit vollständig ausgelöscht wurde. Später, da standen wir bei Sverdlowsk in Lugansker Bezirk, wurden die selben OSZE Inspektoren von meiner Einheit angehalten und fest genommen. Ich fuhr zu denen zusammen mit Mozgowoj. Als die uns gesehen haben, waren sie so überrascht, dass sie nur eine Frage stellen konnten: „Sie leben noch?“. Dann haben wir zu uns selbst gesagt: „wir sind Gesiter“. Ab da nennen wir uns das „Geister“-Batallion.


  • Was war ihre erfolgreichste militärische Operation?

  • Als wir bei Nowoborowitz von etwa 120 gepanzerten Fahrzeugen eingekesselt wurden. Wir waren nur 40 Mann und konnten alle entkommen. Ohne Kampf. Man hat uns damals schon aufgegeben. Wir sind über unerwartete Wege rausgekommen ohne Verluste in Mensch und Maschine.


  • Welcher Ihrer Kämpfe war am schrecklichsten?

  • Angst als solche hat man nicht. Vielleicht bin ich so ein Mensch. Am Emotionalsten war es am 19 Juni. Während des ganzen Krieges keine einzige Verletzung und da gleich zwei Herzanfälle. Dich attackiert eine ganze Panzerbataillon und du bist für deine Leute verantwortlich. Die greifen dich ja nicht direkt an, sondern machen zuerst alles mit Mehrfachraketenwerfern platt. Erst als sie sich sicher sind, dass keiner mehr da ist, schicken sie die Panzer vor. Wenn sie direkt attackieren würden, hätten wir es leichter. Aber wenn man zuerst alles mit GRADs platt macht, können Sie sich ja vorstellen, was da los ist. Wenn die Psyche nicht ganz stabil ist, hält man das nicht aus.


  • Was hat ihre Einheit für Waffen?

  • Maschinengewehre, ist klar. Artilleriegeschütze, Haubitzen, GRADs, NONAs – das haben wir nicht. Haben Granatwerfer „Mucha“ (Fliege), Flammenwerfer „Schmel“ (Hummel) – das womit man nicht gegen einen Panzer ankämpfen kann. Granatwerfer sind nur gegen stehende Ziele effektiv, nicht gegen bewegliche. Ausserdem haben wir nur zwei davon, Kaliber 120mm. Und 4 Kaliber 82mm.


  • Wie schätzen Sie die aktuelle Lage an den Fronten der Novorossias ein?`

  • Zur Zeit ist es sehr schwer. Und wenn keine Hilfe kommt, ich spreche nicht von Menschen, nur von Waffen, dann wird es sehr viel schlechter werden.


  • Wenn die Volkswehr es nicht schafft, Donezk und Lugansk zu halten, wird es einen Partisanenkrieg geben? Oder ist dann alles aus?

  • Erstens dürfen wir Lugansk und Donezk nicht verlieren. Zweitens, Partisanenkrieg haben wir doch jetzt schon. In Lisitschansk zum Beispiel, oder Slavjansk. Da sind viele unsere Männer geblieben, und erledigen den Job auf ihre Weise. Würden wir uns ergeben … wozu hätten wir das ganze dann angefangen?


  • Wie schätzen Sie ihren Gegner, die ukrainische Armee, Nationalgarde ein? Wo sind ihre Stärken, Schwächen?

  • Die die gegen uns kämpfen, sind alles Söldner. Sie Kämpfen nicht für ihr Land, sondern nur für Geld. Die haben Angst um ihr Leben. Da haben wir einen Vorteil. Mittlerweile merkt man, dass denen auch die Technik ausgeht. Früher hätten sie einen Schützenpanzer bei der Flucht stehen lassen können, den wir dann reparieren und benutzen konnten. Jetzt schleppen sie ihn ab. Bei der Technik haben sie ein starkes Übergewicht. Wäre das Verhältnis zumindest 3:7  - wäre keine einzige Stadt gefallen.


  • Kriegen die Russen aus den Massenmedien ein ausgewogenes Bild der Ereignisse, oder wird irgendetwas verschwiegen?

  • Während der Kämpfe bei Lisitschansk kämpften auf der ukrainischen Seite ausländische Söldner mit: Afrikaner, Amerikaner, Polen, Franzosen. Alle waren sie da. Polen fliegen dort mit polnischen Flugzeugen rum. Da schliessen alle die Augen. Wenn alles ukrainische was fliegen konnte, schon längst abgeschossen worden ist, wo kommen denn die neuen her?


  • Womit kann in der derzeitigen Situation Russland Donbass helfen, ohne in den Krieg hineingezogen zu werden?

  • Schwere Waffen, das wäre genug. Ich brauche die russischen Truppen nicht. Ich will auch keine Flugzeuge. Ich biete um Panzer, GRADs. Das Kräfteverhältnis ist zur Zeit 1:10. Heute kann ich nur über Sabotagetrupps kämpfen: zwei drei Panzer getroffen – schon ein Plus. Aber das ist es nicht. Auf einen abgefackelten kommen 10 neue.


  • Was sind Ihre Pläne nach der Genesung?

  • Ich bin hier nicht für lange. Komme wieder zu Kräften und zurück. Da sind doch meine Jungs.

http://rusvesna.su/news/1406549992

"Ukrainische Regierung plant Terroranschläge"

Volksfront von Neurussland (VFN) behauptet , die ukrainische Regierung würde, auf Rat ihrer westlichen Berater, auf dem von ihr kontrollierten Territorium eine Reihe von Terroranschlägen planen. Das sagte der Vorsitzende von VFN Konstantin Dolgow der russischen Nachrichtenagendur ITAR-TASS

Nach seinen Angaben, hätten bereits mehrere unabhängige Quellen bestätigt, dass derzeit die Möglichkeit solcher Anschläge an Orten mit großer Menschendichte diskutiert wird.

"In Gefahr sind U-Bahn Netze von Kiew, Charkow und Dnepropetrowsk, Bahnhöfe von Bezirkshauptstädten, Flughäfen und Stadien. Es wird dann natürlich behauptet, Vertreter der Donezker und Lugansker Volksrepubliken hätten diese Anschläge verübt." - sagte Dolgow.

Er ist überzeugt, dass Kiew Horror-Storys braucht um den Westen von seiner These von den Donbass-Terroristen zu überzeugen. Die These die den Massenmord an der Zivilbevölkerung von Donbass rechtfertigen soll.

"Da die "Terroristen" weder Anschläge verübt noch geplant haben, hat Kiew entschieden es für sie zu tun. Wir glauben nicht, dass die Regierung ihr Gewissen entdeckt, uns es sich anders überlegt. Wir hoffen, dass öffentliche Bekanntmachung dieser Pläne, die geplanten Anschläge zu verhidern hilft". - so Dolgow.