July 24th, 2014

Ich bin nicht stolz darauf, Slawen zu töten.

Widerstandtkämpfer Sergej aus Ekaterinburg der an den Kämpfen in der Ostukraine teilgenommen hat : "Ich bin nicht stolz darauf, Slawen zu töten.

Wir haben uns beim "Schwarze Tulpe" Memorial in Ekaterinburg getroffen. Sergej ist ein ehemaliger Soldat, Fallschirmjäger, Reserveroffizier, hat in Konfliktherden gekämpft. Sein bürgerliches Leben dreht sich um seinen Sicherheitsdienst. Er hat eine Famllie, zwei Töchter. Sergej ist 48 Jahre alt. Er sieht viel jünger aus: "Weil ich nicht trinke, nicht rauche und kein Fleisch esse" - sagt er. Er ist sehr ruhig, zurückhaltend und überzeugt, dass er alles richtig macht, indem er für eine der Seiten im Nachbarland kämpft. Gekämpft hat er im Lugansker Gebiet etwa 3 Wochen  lang. Ist jetzt wieder zurück und fährt in einigen Tagen wieder hin.

- Sergej, Sie haben ein Hörgerät. Verletzung aus der Ostukraine?
- Nein. Nach dem Dienstaustritt hat sich mein Gehör verschlechtert. Das Gerät haben mir übrigens die Jungs in der Ukraine gekauft, als sie gemerkt haben, dass ich schlecht höre. Mein Kommandeur hat es mir geschenkt.

- Wie sind Sie in die Kampfeinheit gekommen? Wer hat es Ihnen angeboten?
- Über Bekannte. Sie haben mich selbst kontaktiert. Diese Leute waren mit der Organisation der Humanitärhilfe beschäftigt. Dann wurden wir übers Internet mit Leuten aus der Ostukraine bekannt gemacht, die sich um die Rekrutierung der Freiwilligen kümmern. Zuerst habe ich übers Internet Beratungen zu Artilleriesystemen geführt. Dann hat es sich spontan ergeben, dass ich hingefahren bin. Dort werden Leute mit Kampferfahrung gebraucht. Aus Russland fahren da drei Typen von Menschen hin : diejenigen die auf den Krieg geil sind. Das sind meistens die jüngeren. Dann die Patrioten die verstehen, dass wenn man die (den rechten Sektor) nicht ausrottet, sie dann auch nach Russland kommen und hier Unruhen stiften werden. Die letzten wollen Geld verdienen.

– Kann man da wirklich gut verdienen?
- Ich habe nichts bekommen. Ich war in einer Aufklärungs-Sabotage-Einheit.
Verpflegung hat man uns bereitgstellt.

- Freunde, über die Sie reingekommen sind, haben sie etwas mit der Politik zu tun?
- Ich halte mich aus der Politik raus und so hat es mich auch nicht interessiert.

- Wie sind Sie hingekommen?
- Ich fuhr mit einem Humanitärhilfefahrzeug, direkt aus Ekaterinburg.


- War es schwer über die Grenze zu kommen?
- Nein, wir sind in ein Auto eingestigen und über die Grenze gefahren. Ohne Papiere, über Umwege, vorbei an den Grenzkontrollpunkten. Genau so wird auch die Humanitärhilfe geliefert. Es bildet sich eine kleine Kolonne, und los gehts.

- Wie wurde es auf Ihrer Arbeit aufgenommen?
- Ich habe mir für die Zeit unbezahlten Urlaub genommen.

- Haben Sie gesagt wozu?
- Klar. Man hat es verstanden.

- Und Ihre Frau?
- Wir hatten ein schwieriges Gespräch. Sie hat sich zuerst dagegen gestemmt. Dann habe ich es ihr erklärt. Meine kleine Tochter ist 20 Monate alt. Dort gibt es auch kleine Kinder, die jemand beschützen muss.

- Hatten Sie keine Angst Frau und Kinder zu Hause zu lassen?
- Erstens habe ich Erfahrung. Zweitens, vom Schicksal kann man nicht weglaufen. Ich bin fatalist. Meine größte Angst war meine Kameraden im Stich zu lassen. Angst vor dem Tod hatte ich nicht. Aufgeregtheit, Spielfieber ja.

- Was war Ihre Aufgabe?
- Unsere Gruppe vom Ural, mit der ich angekommen bin, wurde zuerst einer Kampfeinheit zugeordnet. Da haben wir die örtlichen Milizen ausgebildet. Danach wurde ich Kommandeur einer Granetwerfergruppe. Unsere Arbeit bestand darin ukrainische Kolonnen aus Hinterhalten anzugreifen sowie Blockposten und Stellungen zu überfallen.

- Sie sind immerhin ein Offizier. Was haben aber dort die "Romantiker" gemacht, die noch nie eine Waffe in der Hand gehalten haben?
- Eigentlich kämpfen nur etwa 10 Prozent der verfügbaren Kräfte an der Front. Das sind Profisoldaten. Die anderen halten Wache an den Blockposten oder patrulieren eigene Stellungen. Das ist auch eine sehr wichtige Arbeit, ohne die wir es viel schwerer hätten.

- Wie hat die Bevölkerung auf Sie reagiert?
- Unterstützend. Kann mich erinnern: fahre durch die Stadt, stoppt ein Bus, der Fahrer sagt: Jungs, wann macht ihr sie endlich fertig?

- Gab es auch Negatives?
- Hab ich nicht erlebt. Eigentlich habe ich nicht viel mit der zivilen Bevölkerung zu tun gehabt. Wir waren die ganze Zeit im Wald auf unserer Basis.

- Sind dort viele Russen? Russland wird beschuldigt, dass dort überwiegend Russen kämpfen.
- Das Verhältnis zwischen Ukrainern und Russen liegt bei etwa 50/50. Es gibt keine gezielte Mobilmachung, nur Freiwillige. Örtliche Milizen sind normalerwese normale Leute: Berufsfahrer, Mienenarbeiter, Stahlarbeiter. Aus Russland kommen Leute mit Kampferfahrung die schon im Krieg waren. Ursprünglich gab es auf den entsprechenden Internetseiten Warnungen, dass nur solche genommen werden. Ich würde nicht sagen, dass alle Einheimischen kämpfen. Man geht manchmal durch die Stadt und sieht diese rieseigen Kerle, die nicht vorhaben zu kämpfen egal was um sie herum passiert. Obwohl, es kann sein, dass es solche auch schon gar nicht mehr gibt. Donezk und Lugansk werden ständig bombardiert, und wenn deine Freunde und Familienmitglieder sterben, fängst du an zu verstehen, dass es auch dich was angeht. Ich habe längst verstanden, dass es mich was angeht. Deswegen ist dieser ganze Schmarrn - "Wer nicht springt ist ein Moskal" (ein ukrainischer rechtsnationalistischer Spruch wobei Moskal abwertend für "Russe" steht).... Ich kann nicht verstehen, wie man Menschen, die im Land leben, verbieten kann eigene Muttersprache zu sprechen.

- Uns hindert niemand dran, russisch zu sprechen und doch ziehen wir in einem fremden Land in den Krieg.
- Das ist kein fremdes Land. Das ist unser Land. Alle diese Städte wurden von Russen gebaut, von meinen Vorfahren. Mein Urgrossvater mütterlicherseits hat bei Suworow gedient. Ich kenne meinen Stammbaum mütterlicherseits, den väterlicherseits zu erfahren hat leider nicht geklappt. Der Großvater ist im WWII gefallen. Übrigens bei der Befreiung der Ukraine. Bei Charkow. Da würde ich auch gerne mal hinkommen, aber noch ist die Stadt in der Hand der Rechten. Ich halte das nicht für ein fremdes Land. Das ist unser Land, unsere russische Welt. Ich möchte keine Slawen, wie wir, töten, aber diesen Leuten wurde das Gehirn gewaschen.

- Doch, juristisch gesehen, ist es ein anderes Land...
- Was es juristisch ist, ist mir egal. Das sind nur Worte. Dort leben Menschen wie ich. Und die brauchen Hilfe. Damals wollte ich nach Serbien in den Krieg, aber es hat nicht sein sollen. Nun Kämpfe ich für die ukrainischen Menschen. Das klappt auch ganz gut. Unsere Gruppe vom Ural geniesst dort großen Respekt.

- Was glauben Sie womit das endet?
- Ich denke irgendwann stehen wir vor der polnischen Grenze. Wenn schon dann muss man die ganze Ukraine einnehmen. Diese Schwachköpfe, die rumspringen und schreien "Wer nicht springt ist ein Moskal" darf es nicht geben.

- Wozu brauchen Sie die ganze Ukraine? Da ist doch Lwow. Untersützung wie im Osten werden Sie da nicht finden. Die sind anders, die werden uns hassen.
- Man sollte sie normal erziehen, in dem Sinne dass wir alle unterschiedlich sind, aber dass wir alle Menschen sind. Ob wir nun russisch sprechen oder ukrainisch. Menschen in Moskal - Nicht Moskal zu unterscheiden ist Barberei. Wenn wir Lwow nicht einnehmen, dann verstehen sie nichts. Ich brauche deren Land nicht, nicht die Gärten und auch nicht die Häuser. Aber sie sind es die der anderen Bevölkerungshälfte ihre Regeln aufzwingen wollen.

- Was haben Sie mit Gefangenen gemacht?
- Es war nicht unsere Aufgabe zu entscheiden, was mit ihnen passieren soll. Wir haben sie zu denen geschickt die sich darum kümmerten. Was mit den Gefangenen danach passierte, war nicht unser Problem. Verletzten haben wir ärztliche Hilfe geleistet, wie es sich gehört. Niemand wurde erschossen. Aber eines kann ich sagen: "Die rechten Nationalisten wurden nicht gefangen genommen, sondern im Kampf erledigt"

- Wie haben Sie sie auseinander gehalten?
- Die Nationalisten tragen eine andere Uniform - schwarze. Und die stehen immer hinter den normalen Soldaten. Wie jene Einheiten die im zweiten Weltkrieg die Flucht von regulären Truppen verhindern sollten.

- Wer kämpft noch auf der anderen Seite?
- Unterschiedlich. Es gibt normale Leute die eingezogen und gleich in den Osten geschickt wurden. Die sind moralisch sehr schwach. Es gibt Fanatiker - die vom Rechten Sektor. Die hat man erzogen, ausgebildet und zahlt denen gutes Geld.

- Was wissen Sie über den Sold eurer Gegener?
- Unterschiedliches. Söldner kriegen fünf bis sechs tausend dollar.

- Pro Monat?
- Pro Tag. Das ist alles vom Hörensagen.

- Wie viele ausländische Söldner gibt es, vom Hörensagen?
- Etwa 300-500. Ich weiss, dass dort private Söldnerfirmen arbeiten. Es gibt z.B. dort einen Franzosen, der auch schon in Serbien Söldner organisiert hat. Haupsächlich ehemaliges "Blackwater". Es gibt Polen, Deutsche, Balten. Abschaum aus ganz Europa. Übrigens, Mariupol wurde von Söldnern eingenommen, wissend dass es dort keine Kräfte zur Verteidigung gibt.

- Gibt es unter denen auch welche die für eine Idee kämpfen?
- Was für Ideen kann ein Europa noch haben, wo Gay-Paraden statt finden? Normale Menschen hätten die Situation gleich gecheckt. Ich verstehe z.B. dass jeder das Recht hat seine eigene Sprache zu sprechen. Der ganze Süd-Odsten ist nicht deswegen aufgestanden, weil ein kleiner Haufen Leute angeführt von Bolotow die Macht an sich reißen wollte. Zuerst gab es Schüsse in Nikolaev, als man eine Antimaidan-Demonstration auseinander trieb. Danach die Tragödie in Odessa, als am 2 Mai Leute verbrannt wurden. Ich habe mit den hiesigen Widerstandskämpfern gesprochen. Die sagten, dass es hier zuerst friedliche Demos gegeben hat. Die Vorderungen waren einfach. Wir wollen die Sprache unserer Väter sprechen und in Ruhe arbeiten. Sie wurden nicht erhört. Dann kam der Druck. Das Resultat sehen Sie jetzt. Als erste sind die Afganistan-Veteranen aufgestanden. Haben die Donezker Verwaltung und Sicherheitsdienste besetzt. Als die Regierung die Armee dagegen schickte begann der bewaffnete Widerstand. Dann kamen Freiwillige aus Russland: die ersten von der Krim, dann die Kasaken vom Don.

- Sie sagen: wir gehen bis zur polnischen Grenze und erklären denen alles. Haben Sie keine Angst, dass es tausende Tote gibt?
- Verstehen Sie, wenn wir nicht die ganze Ukraine erobern, wird es noch viel mehr Tote geben.

- Und was sollen wir dann damit machen? An Russland angliedern?
- Wozu? Keiner soll irgendwas angliedern. Die sollen selber entscheiden. Für Russland, für mich ist am wichtigsten, dass die Ukraine uns ein wohlgesonnter Staat ist, ohne Militärbasen der NATO. Wenn Sie nach "Gayropa" (abfällige Bezeichnung von Europa in der russischen Umgangssprache) wollen, dann sollen sie doch. Mich kümmert das nicht. Aber dieses Gegeneinanderhetzen darf nicht sein: Dieser Moskal, dieser Hohol (Bezeichnung der urigen Ukrainer in der russischen Umgangssprache. Mittlerweile eher abfällig) - das ist schecht. Und das wo fast ganz Keiv russisch spricht.

Ich habe meine Militärausbildung in der Ukraine in Odessa genossen. Dort haben alle russisch gesprochen. Die sprechen Russisch, aber wegen dieser Unterwürfigkeit gegenüber Amerika machen sie die falschen Sachen. Was die wollen ist Entvölkerung der Ostukraine damit man dort ungestört mittels Fracking Gas fördern kann. Damit versuchen die USA die Zusammenarbeit von Europa und Russland im Gassektor zu blockieren. Die schreien ja die ganze Zeit, dass es in Russland außer Öl und Gas nichts mehr gibt.

- Was denken Sie über die abgeschossenen Boeing?
- Ich habe keine Zweifel, dass es eine ukrainische SU-25 (Jagdflugzeug) war. Um es dann auf Russland und die Bürgemilizen zu schieben. Aber die haben sich mit der Flugbahn verrechnet. Die Wrackteile hätten eigentlich über russischem Gebiet runter gehen sollen.

- Woher haben die Milizen diese Informationen bezüglich der ukrainischen Su-25?
- Bei den Milizen? Erstens haben wir die Funksprüche abgehört. Zweitens, hat die ukrainische Führung sofort angefangen zu schreien, dass es die Milizen gewensen seien und dass die Milizen angeblich ein BUK Raketensystem erbeutet hätten.

- Gab es denn diesen BUK?
- Natürlich nicht. Wir haben bei Lugansk eine Kaserne der Elektronischer Kampfführung eingenommen, aber dort war alles kaputt. Die haben die Kaserne aus der Luft bombardiert. Nicht ein Fahrzeug ist heil geblieben. Und das was man von BUK erzählt ... Sogar wenn wir einen hätten. Ein Fahzeug mit Raketen allein bringt gar nichts. Um ein Flugzeug abzuschiessen braucht man einen Funkortungskomplex und das Kommandofahrzeug. Der von der ukrainischen Seite veröffentlichter Funkmitschnitt ist ein Fake.

- Sind es echte Decknahmen: Major ?
- Nie gehört. Etwas zusammenschneiden kann man auf dem heimischen Rechner, genau so wie die Infos auf der Seite vom Strelkov.

- Wurden denn Flugzeuge von Milizen abgeschossen?
- Klar. Im Wesentlichen Jagdflugzeuge. Die sind langsam. Ich war dabei als das Transportflugzeug AN-26 abgeschossen wurde. Unsere Einheit hat sich nicht damit beschäftigt, wir sind auf andere Sachen spezialisiert.

-Sind sie gläubig?
- Ja, aber nicht christlich. Eher nach der vedischen Philosophie. Ich glaube an die Reinkarnation und Karma. Und daran was ich machte, gab es nichts schlechtes. Hier ein Soldat, auf der anderen Seite ein Soldat. Es ist Krieg. Jeder führt seine Befehle aus. Die Sünde ist nicht beim Soldaten, sondern bei denen die ihn in den Kampf schicken. Wenn der Kommandeur aus höheren Motiven handelt - zu schützen, dann ist alles in Ordnung. Jeder hat das Recht sich und sein Volk zu verteidigen. Gesündigt haben weder die Soldaten die gegen uns gekämpft haben, noch unsere eigenen.

-Wenn, Gott bewahre, etwas mit Ihnen passiert. Wer soll sich dann um Ihre Familie kümmern?
- Ich hoffe auf Freunde, Eltern meiner Frau. Meine Eltern leben nicht mehr. Ihre Eltern wissen nicht über das hier, wir haben beschlossen sie damit zu verschonen. Sehen Sie, meine Frau hat ihr Schicksal, meine Kinder haben ihr eigenes Schicksal, und wenn es geschrieben steht, dass der Papa getötet wird .. dann ist es eben so. Ich sehe das gelassen.


-Wo haben Sie schon gekämpft?
- Tadschikistan.  Und noch einige weitere. Da möchte ich nicht darüber reden. Angefangen habe ich in Zentralasien.

- Wann geht es für Sie wieder in die Ukraine?
- Bald. Zusammen mit Humanitärhilfe. Aber nicht für lange. Meine Aufgaben dort werden sein Ausbildung der Milizen und Kontrolle über den Ausbildungsprozess.

-Sind Sie stolz, dass Sie dort waren?
- Nein. Das war eine Notwendigkeit. Es gibt keinen Grund stolz zu sein. Slawen zu töten, wie du selbst ... was gibt es daran zum Stolzsein? Vielleicht ist die andere Seite stolz, dass sie "Watniki" (abfällig über Russen und Pro-Russen. Watnik ist ein dicker Filzmantel, den man normalerweise in Sibirien trägt) zur Strecke bringen. Mir tut es nur Leid, dass die Situation so weit eskalieren konnte und wir jetzt Krieg führen müssen.

- Haben Sie noch ukrainische Freunde aus alten Zeiten?
- Ja, wir schreiben uns. Die wissen nicht, dass ich kämpfe.

- Auf wessen Seite sind die?
- Unterschiedlich. Manche sind neutral. Manche mögen Putin nicht, und wie Russland agiert. Ich bin ein toleranter Mensch, jeder hat das Recht auf eigene Meinung. Ich streite nicht. Erkläre meinen Standpunkt und sie ihren. Wenn unsere Ansichten sich nicht vertragen, dann wird das Thema geschlossen und wir bleiben Freunde. Wir waren vier Jahre zusammen in der Ausbildung, haben in den selben Zelten geschlafen. Die haben jetzt keinen Bezug zur Armee mehr. Die meisten haben eigenes Business.

- Und wenn sie morgen doch auf der anderen Seite stehen, mit Waffen, wenn Sie auf dem Weg zur polnischen Grenzen sind?
- Dann ist das eben Schicksal. Dann kämpfen wir gegeneinander. Das sehe ich gelassen. Jeder soll seine Sache machen. Wenn bei uns in Russland jeder seine Sachen machen würde, würden wir nirgendwo im Land Probleme haben.

- Mancheiner würde Ihnen jetzt entgegnen: dann machen Sie doch Ihre Sache in Russland.
- Würde ich gerne. Aber die Lage ist so, dass man handeln muss. Klar wäre es besser wenn es das alles nicht geben würde. Auf beiden Seiten sterben Menschen. Frauen, Kinder. In einem "normalen" Krieg darf es das nicht geben. Soldaten können gegen einander Kämpfen, aber die Zivilbevölkerung darf nicht darunter leiden.

- Die ukrainische Seite behauptet, die Milizen würden sich hinter die Zivilbevölkerdung verstecken?
- Das ist eine Lüge. Es gibt dort keine klaren Frontlinien, einen durchgehenden Schützengraben oder so. Da gibt es Blockposten. Unsere, ihre. Unsere Blockposten sind um die Städte herum. Es gibt ein neutrales Territorium.  Wir gehen raus, auf das neutrale Territorium. Dann gibt es Kämpfe, Hinterhalte. Wir versuchen uns von der Zivilbevölkerung fernzuhalten. Die andere Sache ist, dass deren Aufklärung nicht im Stande ist unsere Bewegungen nachzuverfolgen. Deswegen schiessen sie oft ins Blaue hinaus. Vielleicht beschiessen sie auch absichtlich Schulen und Krankenhäuser, im Glauben da könnten verwundete Milizen drin sein. Aber sogar wenn, würde es die Genfer Konvention verbieten, verwundete zu töten. Es ist sogar so weit gekommen, dass sie sich unsere Toten Kameraden für Geld abkaufen liessen. Die Eltern mussten sie zurück kaufen. Die Leichen waren entstellt. Abgeschnittene Nasen, Ohren.

-Haben Sie das persönlich gesehen?
-Ich habe gesehen wie sie zurück gekaufen wurden.

- Erzählen Sie mal von den Lebensbedingungen. Wo wurden Sie untergebracht?
- Die Bedingungen waren gut. Wir wohnten in einer Touristenherberge, im Wald. Es gab sogar Wi-Fi. Strom aus dem Generator, heißes Wasser.  Einzelne Häuschen. Die Bedienungen an den Blockposten waren schlechter, Wasser musste hergekarrt werden, Holz zum heizen. Auch die Verpflegung war bei uns besser. Mädels haben gekocht. Ich bin Vegetarier und wurde extra bekocht. Die anderen hatten Fleisch im Überfluss.

- Hatten Sie Frauen in der Einheit? Wer sind die?
- Einheimische. Frauen der Widerstandskämpfer. Auch Russinen. Wir hatten eine Ärztin aus Borisoglebsk. 50 Jahre alt, Familie.

- Was sind das für Leute, die hinfahren um Geld zu verdienen? Wie machen sie das, wenn Sie sagen, dass nichts gezahlt wird?
- Es kommen Businessleute zum Geldmachen.

- Kämpfen sie nicht?
- Ich kann nicht sagen, dass sie nicht kämpfen. Irgendwie schon.

- Was machen sie denn dann noch?
- Unterschiedliche DInge. Nicht sehr anständige. Das möchte ich nicht erzählen.

- Und doch. Handeln sie mit Waffen?
- Damit auch. Es gibt dort viele Leute mit unterschiedlichen Motiven.

- Haben Sie denn nicht einmal Sold bekommen? Wovon hat denn Ihre Familie gelebt? Ihre Frau ist doch bestimmt in Elternzeit?
- In Ekaterinburg konnten wir Sponsoren finden, die das übernommen haben. Sonst hätte mich meine Frau nicht gehen lassen.

- Was für Sponsoren?
- Das sind Leute die sich mit der Organisation der Humanitärhilfe beschäftigen. Alle verstehen sehr gut, dass ohne eine militärische Lösung die Hilfe dort in falschen Kanälen versickert, auch wenn man sie ewig hinschicken soll.

- Was muss die ukrainische Regierung machen, damit die Einheimischen die Milizeneinheiten verlassen? Haben sie es Ihnen erzählt?
- Alle Kriegsgefangenen frei lassen und auch alle Politgefangenen. Lokalwahlen und Wahlen der Rada durchführen. Danach neue Präsidentenwahlen. Die Stimmen des Süd-Ostens werden überwiegen, da dort mehr Menschen leben. Das war ja auch der Grund warum Yanukowitsch damals die Wahl gewonnen hat.

-Was würden Sie diesen jungen Leuten sagen, die wegen "Romantik" oder Ideen hinfahren?
- Denkt gut darüber nach, wieso ihr das tut. Amateuere gibt es hier schon genug. Klar, viele kommen aus einem Impuls heraus. Viele gehen schon nach dem ersten Flugzeugangriff wieder. Ein einfacher Zivilist, Bürger, soll seine Frau, Kinder und Haus versorgen. Normal arbeiten und Steuern zahlen. Krieg ist für Profis, genaus so wie Armeedienst.

- Wurden Sie von Geheimdiensten kontaktiert?
- Ohne Kommentar.

- Wievile gegnerische Soldaten haben Sie persönlich getötet?
- Nach den Daten der Aufklärung etwa 100 Leute. Nicht persönlich, sondern unsere Einheit. Nach unseren Angaben ist das Verhältnis bei getöteten 1 zu 100. Das kommt weil die ukrainische Armee eine Amateurarmee ist. Auch kämpfen auf userer Seite Einheimische die die Gegend viel besser kennen. Dazu führen wir einen Partisanenkrieg.

- Gab es Alkoholkonsum?
- Während Kriegshandlungen absolut nicht. Sonst gab es Erziehungsmaßnahmen.

- Welche? Wird man nach Hause geschickt?
- Nein, man bekommt eine in die Fresse gehauen. Es gab auch keine Drogen. Zumindest hatten wir keinen einzigen. Ich kann nicht behaupten, dass gar nicht getrunken wird. Eventuell an den Blockposten. Bei solchen Einheiten wie unsere war alles sehr streng.

- Wie ist es auf der anderen Seite?
- Unterschiedlich. Aber einen exzessiven Alkoholkonsum gibt es weder hier noch drüben.

- Russische Medien werden der Lügerei bezichtigt, Propaganda. Sie waren selbst drüben, was wäre Ihre Einschätzung der Berichterstattung durch unsere Journalisten?
- Es gibt Übertreibungen. Man malt mit schwarzen Farben: die ukrainishe Armee würde stark "drücken". In der Realität ist das nicht so. Die Lage ist Stabil. Aber aus meiner Sicht wird glaubwürdig berichtet.

- Und die Ukrainischen Medien?
- Habe ich auch geschaut. Nur Propaganda. Kann mich an eine Aussage von Awakow erinnern, die ukrainische Armee hätte 1000 Widerstandskämpfer getötet. Was für Schwachsinn. Das kann im Prinzip nicht sein. Wir arbeiten in kleinen Gruppen. Das Verhältnis der getöteten ist dort 1:100. Die verscharren eigene Leute in Massengräbern mit Planierraupen. Oder werfen sie in Säcken den Familienmitgliedern vor die Haustür und fahren weg. Für die sind alle anderen nur Untermenschen.

Originalartikel:
http://www.e1.ru/news/spool/news_id-408544.html

Berichte von der Donbassfront vom 24.07.2014

Von Strelkov

09:40

Die vierte Kompanie des 3. Semenovsker Batallions berichtet über ein erbeutetes BRDM (Broniertes Auklärungsfahrzeug).. Blagodatnoje ist immer noch in unseren Kräften. BRDM wird repariert.

10:06

Die Ganze Nacht wurden aus Mehrfachraketenwerfern Grad die Wohnviertel von Gorlovka beschossen. Großflächige Zerstörung, Feuer und Opfer. Der Beschuss ging in der Frühe weiter. Die Stellungen der Milizen wurden überhaupt nicht beschossen.

11:53

Slavjansker Artillerieeinheit unter Assistenz des 2. Slavjansker Batallions führten einen Angriff auf die Stellungen des Gegners nördlich von Kutejnikovo und Bondarewskoje. Nach vorläufigen Angaben wurden zwei gepanzerte Fahrzeuge zestört. Ebenfalls zerstört wurde ein Selbstfahgeschütz aus der Artillerieeinheit die mehrere Tage lang die Stadt Ilowaijsk beschossen hat. Es fanden zwei Detonationen von Munition statt.

13:24

Frage: Was ist mit den eingekesselten Einheiten?

Die sitzen da und warten bis man sie befreit. Sie haben nicht nur kein Essen und Wasser sondern auch keine Munition mehr. Ich denke, die Hilfe werden sie nicht mehr kommen sehen. Die dafür von der Junta bereitgestellten Truppen wurden von unseren Einheiten nach Grigorowo zurückgeschlagen. Die verbliebenen Reste werden gerade beim Zollterminal "Marinovka" erledigt.

16:27

Der Feind führte erneut einen Sturmangriff auf die Siedlung Pesiki am Rande der Stadt (Blagodatnoje) durch und konnte die Stadt erneut erobern. Ich weiss nicht wozu sie das machen, außer dass man der Führung am Ende des Tages über "Erfolge" berichten kann. Einen militärischen Sinn hat das alles kaum.

20:28

Kämpfe bei Marinovka und Blagodatnoje sowie Peski dauern an. Peski ist gerade zweigeteilt zwischen der Armee und den Kasakeneinheiten die von den Panzern der Einheit "Wostok" untersützt werden. Über die Ergebnisse werde ich später berichten.

Frage: Haben Sie die verwundeten Soldaten der 79. Division aus dem Kessen herausgelassen, und wurden dabei die Waffen abgegeben (am Tag zuvor konnten sich etwa 75 ukrainische Soldaten aus dem Kessel retten) ?
- Uns ergeben sie sich nicht. Sie haben Angst. Die laufen gleich aufs russische Territorium rüber. Da sitzten "nette" Leute - transportieren die Verwundeten ab .. wahrscheinlich damit die Reste länger durchhalten können.

Frage: Was ist mit den Kasaken, die unter Ihrem Kommando kämpfen?
- Solche haben wir fast nicht. Zumindest die vom Kositzin (Kasakenkommandeur). Bei uns ist es denen zu heiß ... man könnte getötet werden. Die halten sich für "Elite", die dürfen, anders als eine normaler Soldaten, nicht getötet werden.

Frage: Es gibt Gerüchte, dass die verbliebenen Kräfte in den nächsten Stunden/Tagen versuchen werden aus dem KEssen über Antrazit und Krasnij Lutsch auszubrechen. Gibt es darüber Information?
- Sie haben Probleme mit Treibstoff. Sie werden zu Fuss ausbrechen müssen.